Drinnen, zusammengerollt auf dem Boden, war Lily. Ihre Knie waren an ihre Brust gezogen, ihre Arme fest um sie geschlungen. Sie trug nur dünne Pyjamas. Es gab keine Decke, kein Kissen. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen geschwollen und rot vom Weinen.
«Lily … was machst du hier?» flüsterte er und spürte, wie sein Herz brach.
«Papa», schluchzte sie und warf sich in seine Arme. “Ich dachte, du wärst ein Traum. Mama sagte, du bist in Deutschland gestorben. Dass du nie wiederkommen würdest.”
Daniel wurde schwindelig. Als er sie hochhob, bemerkte er etwas noch Alarmierenderes: Seine Tochter war zu leicht. Ihre Arme fühlten sich zerbrechlich an, fast wie Knochen unter der Haut.
“Wie lange schläfst du schon hier?» fragte er mit knackender Stimme.
«Seit du vor drei Tagen gegangen bist … aber auch davor, viele Male», antwortete Lily flüsternd. “Mama sagt, ich soll eingesperrt bleiben, damit ich lerne, mich zu benehmen.”
Daniel trug sie schnell ins Bett und machte alle Lichter an. Er bemerkte violette Flecken auf den Armen des kleinen Mädchens und eine tiefe Angst, die nicht zu jemandem in ihrem Alter gehörte. In diesem Moment verstand er, dass seine Abwesenheit etwas Schreckliches geschehen ließ.
Unten in der Küche hörte er Schritte. Jemand war wach. Es war seine Frau Vanessa.
Daniel biss die Zähne zusammen. Was war wirklich in diesem Haus passiert, während er weg war? Und was hatte Lily sonst noch schweigend gelitten?
Daniel schloss vorsichtig Lilys Schlafzimmertür und setzte sich neben sie, bis das Zittern in ihrem Körper nachließ. Das kleine Mädchen schlief ein und umklammerte seine Hand fest, als hätte es Angst, er würde wieder verschwinden. Daniel beobachtete, wie sie zerlumpt atmete und spürte eine Mischung aus Schuld und Wut in ihm brennen.
