Das Auto hielt ein paar Meter entfernt, Staub und Schnee wirbelten leicht unter den Rädern auf. Arti und Lena erstarrten, ihre Herzen rasten. Ein Mann mit kurzem Bart und dicker Jacke stieg schnell aus und sah erst Arti, dann Lena an. „Hey, was macht ihr denn hier? Ganz allein?“, fragte er mit ruhiger, aber bestimmter Stimme. Arti kam nicht dazu zu antworten, Tränen traten ihr in die Augen, und Lena drückte ihren Teddybären an die Brust und zitterte vor Kälte.
Der Mann beugte sich hinunter und reichte ihr eine dicke Decke. „Komm schon, komm schon, hab keine Angst. Du bist jetzt nicht allein.“ Arti verspürte zum ersten Mal einen Anflug von Erleichterung. Schwer atmend erklärte sie flüsternd, was geschehen war: Ihre Eltern hatten sie wortlos im Wald zurückgelassen. Der Mann hörte aufmerksam zu und nickte, ohne sie zu unterbrechen.
„Es wird alles gut“, sagte er, um sie zu beruhigen. „Steigt ins Auto und wärmt euch ein bisschen auf.“ Arti hob Lena hoch und sie rückten näher zusammen. Der Geruch des Motors und die Wärme, die aus dem Innenraum strömte, gaben ihnen zum ersten Mal seit Stunden ein Gefühl der Geborgenheit.
Unterwegs fragte Arti schüchtern: „Wie… wie haben Sie uns gefunden?“ Der Mann lächelte leicht. „Es war Glück. Oder vielleicht habe ich einfach Ihre Spuren gesehen. Ich war schon einmal hier und habe verlorene Kinder gesehen… Ich möchte nicht, dass das noch einmal passiert.“ Lena fragte mit großen, feuchten Augen: „Bringen sie uns nach Hause?“ Der Mann nickte. „Nach Hause… oder wohin auch immer es für Sie besser ist. Aber zuerst müssen wir etwas essen und uns aufwärmen.“
Sie erreichten eine kleine Holzhütte, wo der Mann ihnen heißen Tee und warmes Brot anbot. Arti und Lena aßen mit großem Appetit und spürten, wie ihre Kräfte allmählich zurückkehrten. Während draußen der Wind wehte, setzte sich Arti an den Ofen und sah Lena an: „Siehst du, wir sind nicht mehr allein … alles wird gut.“ Lena lächelte schüchtern, zum ersten Mal seit ihre Eltern sie verlassen hatten.
Der Mann sagte ihnen dann, er könne sie entweder zur Polizei bringen oder sie in einer vertrauenswürdigen Pflegefamilie unterbringen. Arti und Lena wussten nicht genau, was sie wählen sollten, aber eines war ihnen sicher:
Sie würden nie wieder allein in der Wildnis zurückgelassen werden. In dieser Nacht, als der Schnee gegen das Fenster prasselte, schliefen Arti und Lena zum ersten Mal ohne Angst ein, im Wissen, dass jemand sie beschützte.
Als am Morgen die Sonne durch die Bäume brach, schaute Arti hinaus und sagte: „Siehst du, Lena? Manchmal geschieht selbst in den dunkelsten Momenten etwas Gutes.“ Lena umarmte den Teddybären und atmete erleichtert auf. Der Wald wirkte nun nicht mehr so beängstigend, und ihr Weg, so lang und unbekannt er auch gewesen war, hatte nun eine Chance.
Dieses fremde und unerwartete Auto veränderte alles. Und vielleicht hätte niemand erfahren, was mit den beiden in der Wildnis verirrten Brüdern geschehen war, wenn es dort nicht angehalten hätte.
