Nach dem CDU-Absturz in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern urteilt die Weltpresse gnadenlos: Merz‘ Tage als Kanzler seien gezählt, niemand wolle seinen Job übernehmen – vorerst.
Berlin – Es war ein Wahlabend, der die Welt aufhorchen ließ. In Mecklenburg-Vorpommern fliegt die CDU mit nur 4,9 Prozent erstmals aus einem Landtag raus. In Berlin landet sie mit 18,8 Prozent weit hinter der Linken (25,7 Prozent). Was für viele Deutsche wie ein innenpolitisches Erdbeben wirkt, ist für internationale Beobachter längst ein globales Warnsignal.
Friedrich Merz blickt Düster in seine Zukunft als Bundeskanzler und CDU-Chef.
Friedrich Merz (CDU) muss nach Wahl-Desaster in MV und Berlin harsche Kritik einstecken. © Rolf Vennenbernd
Am schärfsten kommentiert die französische Presse den Zustand des deutschen Kanzlers. „Libération“ schreibt ohne Umschweife: „Kanzler Deutschlands zu sein, kommt derzeit einem angekündigten Selbstmord gleich.“ Das Blatt bezweifelt offen, dass Friedrich Merz seine Amtszeit übersteht – und stellt fest: Niemand drängele sich, seinen Job zu übernehmen. Weder Hendrik Wüst noch Markus Söder wollen ihr Bundesland verlassen, um „Deutschland zu retten“, heißt es.
Internationale Presse nach CDU-Debakel bei Wahlen in Berlin und MV: „Gefühl der Instabilität“
Der Telegraph aus London fasst die Lage in einer Frage zusammen: „Merz stolpert weiter. Aber wie lange noch?“ Mit einer Zustimmungsquote von nur zehn Prozent gilt er laut dem Blatt in der eigenen Partei als realitätsfern, unsensibel und arrogant. Der Guardian sieht durch den schwindenden Rückhalt für Merz ein „Gefühl der Instabilität“ in Europas größter Volkswirtschaft entstehen – zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da in Frankreich, Italien, Spanien und Polen Wahlen bevorstehen.
Die britische Times markiert das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern das schlechteste der CDU bei einer Landtagswahl überhaupt und spricht von „düsterer Symbolkraft“ für eine Partei, die sich stets als Stütze der deutschen Demokratie verstanden habe. Die New York Post bringt es auf den Punkt: Die CDU erzielt das „schlechteste Wahlergebnis seit 1949“ – seit der Gründung der Bundesrepublik hat Merz‘ Partei nie so tief gelegen.
