Der Kanzler hat sich nach turbulenten Tagen in den Urlaub verabschiedet. Friedrich Merz muss nun darauf hoffen, dass die Verärgerten, die Vergrätzten und die Verzweifelten in seiner CDU auch eine Pause machen. Denn wenn es so weitergeht wie in den vergangenen Tagen, ist am Ende des Sommers von der ohnehin angekratzten Autorität des Kanzlers und Parteichefs gar nichts mehr übrig.
Es ist das gute Recht, eines Parteichefs und Kanzlers, seine Mannschaft neu aufzustellen. Mit seinem ungeschickten Vorgehen bei der umfassenden Personalrochade hat der Parteichef aber so manchen in der CDU vor den Kopf gestoßen. Es beginnt bei den Betroffenen, setzt sich beim Bruder des Verkehrsministers und Vorsitzenden der rheinland-pfälzischen CDU fort und endet nicht beim sächsischen Ministerpräsidenten.
CDU: Gemunkelt wird über einen Merz-Rücktritt
Für Merz ist gefährlich, wie offen ihm der Unmut entgegenschlägt. Seine Kritiker in den eigenen Reihen machen sich nicht einmal mehr die Mühe, ihre Ab- und Auflehnung vor der Öffentlichkeit zu verbergen, um das Ansehen des Kanzlers zumindest in der Bevölkerung zu schützen. Die einen sorgen dafür, dass heftige Vorwürfe aus internen Runden ihren Weg nach draußen finden, die anderen äußern sich gleich öffentlich.
Gemunkelt wird in der Partei über die Notwendigkeit eines Kanzlerrücktritts, falls die Landtagswahlen im Osten zum Desaster werden sollten. Damit arbeiten die Merz-Gegner an einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Indem sie über solche Szenarien sprechen, befeuern sie ihre Wahrscheinlichkeit. Geht das so weiter, ist im Herbst nicht nur der Kanzler sturmreif geschossen – sondern die gesamte CDU.
