Hoch oben in den Bergen der Sierra Norte von Puebla, wo die Morgendämmerung in Nebel gehüllt ist und das Krähen der Hähne die Stunde besser markiert als jede Uhr, lebten Don Manuel Ortega und Doña Carmen Ruiz mit jener Ruhe, die nur diejenigen kennen, die gelernt haben, sich anzupassen, ohne zurückzutreten. Sie waren 65 Jahre alt, ihre Hände waren von jahrzehntelangen Maisfeldern, Brennholz und Regen verwittert und ihr Herz war gelassen und verlangte nicht mehr, als das Leben ihnen geben konnte.
Seine Farm war klein, fast versteckt zwischen hohen Kiefern und unbefestigten Straßen, die sich beim ersten Sturm in Schlamm verwandelten. Es gab keinen Luxus: ein Lehmhaus mit Blechdach, einen Pferch mit dünnen Hühnern, die langsam pickten, zwei Kühe, die eher aus Gewohnheit als aus Gewalt durchzuhalten schienen, und ein Maisfeld, das dank Geduld Widerstand leistete. Dort wurde alles langsam, mit Mühe, mit Liebe erledigt.
—Solange wir gesund und zusammen sind, reicht es —sagte Don Manuel, jedes Mal, wenn Doña Carmen sich Sorgen um den Maispreis oder die Decke machte, die bereits zu lecken begann.
Sie nickte ohne zu streiten, rührte den Kaffee in einer alten Kanne um und schaute aus dem Fenster, als könne sie im Nebel die Zukunft lesen.
An diesem Nachmittag verdunkelte sich der Himmel jedoch vorzeitig. Es war kein normaler Sonnenuntergang. Es war eine Warnung. Der Regen begann gut, wie ein zaghafter Nieselregen, und innerhalb weniger Minuten wurde er zu einem starken Schlag gegen die Erde, gegen die Bäume, gegen das Dach. Die Straßen wurden gefährlich und die Luft roch nach nasser Kiefer und aufgewühltem Schlamm.
Don Manuel war hinausgegangen, um den Zaun zu überprüfen, wie er es immer tat, bevor das Wetter schlechter wurde, als er ein trockenes Brüllen hörte, das nicht zum Feld gehörte. Es war kein Donner. Es war ein anderes Geräusch. Ein Schrei aus Metall und Glas, gefolgt von einer Stille, die den Berg den Atem anhalten ließ.
—Hast du das gehört? —rief Doña Carmen aus dem Haus, mit jener Stimme, die nur aufsteigt, wenn die Angst drängt.
Don Manuel antwortete nicht. Er setzte einfach seinen Hut auf, drückte seine Jacke gegen seinen Körper und ging vorsichtig dorthin, wo das Geräusch hergekommen war. Der Regen traf ihn im Gesicht, der Schlamm zog seine Stiefel. Und dann sah er es.
Ein paar Meter von der Hauptstraße entfernt, eingebettet in einen riesigen Baum, stand ein zerstörtes Luxusauto, als hätte der Berg es vor Wut gebissen. Der Motor rauchte immer noch. Die Lichter flackerten und waren schwach. Und drinnen, am Lenkrad liegend, lag ein bewusstloser junger Mann.
Er trug dünne Kleidung, eine teure Uhr und Schuhe, die nie den Schlamm berührt hatten. Seine Stirn war blutig und seine Augenbraue war tief eingeschnitten. Er atmete schwer, als würde das Leben entscheiden, ob er bleiben oder gehen sollte.
Don Manuel spürte, wie sich seine Brust zusammenzog.
—Carmen! Komm schnell! —schrie er mit zitternder Stimme, lauter als der Regen.
Doña Carmen kam durchnässt angerannt und als sie den Jungen sah, legte sie ihre Hand an ihre Brust.
—Er lebt… —flüsterte—. Manuel, wir können es nicht hier lassen.
In dieser Sekunde wurde das Versprechen eines ruhigen Lebens gebrochen. Denn jemandem in den Bergen zu helfen bedeutet nicht nur, die Tür zu öffnen: Es eröffnet die Möglichkeit von Problemen, von Fragen, von fremden Menschen, die in Eile ankommen. Aber Doña Carmen gehörte nicht zu denen, die jemanden aus Angst sterben ließen.
Sie dachten nicht an das Geld, daran, wer es war oder was es kosten würde. Sie holten ihn so gut sie konnten aus dem Auto, zwischen Stöhnen und Ausrutschen. Sie setzten ihn in seinen alten Lastwagen, der bei Anstiegen manchmal abschaltete, und brachten ihn nach Hause.
Doña Carmen kochte Wasser, suchte nach Kräutern und reinigte Wunden mit festen Händen. Don Manuel zündete den Kamin an, damit der Junge nicht an Kälte starb. Der junge Mann atmete schlecht, aber er atmete. Und in den Bergen war das bereits ein Wunder.
—Gott hat es uns geschickt —sagte sie, während sie ein sauberes Tuch gegen die Wunde drückte—. Nicht, um es aufzugeben.
Eine lange Nacht verging. Dann noch einer. Am zweiten Morgen stieg das Fieber und Doña Carmen betete lauter, nicht aus Religion, sondern aus Verzweiflung. Don Manuel saß auf einem Stuhl neben dem Bett und bewegte sich nicht, als wäre es eine heilige Pflicht, ihn zu beobachten.
Am dritten Tag wachte der junge Mann mit einem Seufzer auf, der wie eine Rückkehr wirkte. Er öffnete langsam und desorientiert die Augen und das Erste, was er sah, war ein bescheidenes Haus, Lehmwände und der Geruch von Brennholz.
—Wo… wo bin ich? —fragte er mit schwacher Stimme.
—Keine Sorge, Sohn —Doña Carmen antwortete und brachte ihm etwas Wasser—. Du bist in Sicherheit.
Der junge Mann blinzelte. Er blickte auf seine Hände, an die Decke, auf den Kamin.
—Mein Name ist Santiago Villarreal —sagte er nach einer Stille, als ob jedes Wort ihn verletzen würde—. Ich hatte einen Unfall…
Don Manuel sah ihn mit einem kleinen Lächeln an, einer von denen, die keine Fragen stellen.
—Das wissen wir bereits. Hier verlangen wir nicht mehr als nötig.
Santiago versuchte, sich aufzusetzen, und der Schmerz brachte ihn zum Stöhnen.
—Nicht bewegen —Doña Carmen befahl—. Hier bleibt er, bis er heilt.
