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⚠️ Hybride Bedrohung für Deutschland? Diese Vorfälle werfen Fragen zu Russlands Schattenkrieg auf

Drohnen-Attacke am Leipziger Flughafen und zerstörte Lager deutscher Firmen in der Ukraine: Hybride und konventionelle Angriffe gegen Deutschland häufen sich. Dobrindt spricht von einer neuen Bedrohungslage.

Berlin – „Wir haben es mit einer hybriden Bedrohung zu tun.“ Mit diesen Worten machte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach dem Fund einer mit Sprengstoff beladenen Drohne am Leipziger Flughafen deutlich, wie ernst die Sicherheitsbehörden die aktuelle Lage einschätzen.

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Dieser Artikel von Verena Schad entstand in Kooperation mit Euronews.

Noch ist unklar, wer hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch steckt. Dobrindt spricht bislang nur von „fremden Mächten“. Ermittlungen laufen. Doch Sicherheitsexperten und Politiker vermuten, dass sich Deutschland zunehmend im Visier eines russischen Schattenkriegs befinden könnte.

„Es wird definitiv aggressiver“, sagt Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler zu Euronews. Nach seiner Einschätzung hat es damit zu tun, dass es trotz aller Rhetorik für Russland in der Ukraine „nicht so ganz optimal läuft“. Es sei immer schwieriger, Erfolge zu vermelden.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
„Wir haben es mit einer hybriden Bedrohung zu tun“, erklärt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. © picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
Schindler erinnert an „peinliche Schläge auf die Infrastruktur“ Russlands durch ukrainische Raketen und Drohnen in den vergangenen Wochen, inklusive Logistikinfrastruktur – zum Teil tausende Kilometer von der Front entfernt. „Und das könnte durchaus die Antwort sein, zu sagen: Ihr könnt es da, wir machen es überall.“

Zum Angriff in Leipzig zeigte sich der Terrorismus-Experte Peter Neumann im Podcast der BILD überrascht, dass Dobrindt Russland nicht ausdrücklich genannt hat. Wenn Sicherheitsbehörden von „hybriden Bedrohungen“ sprächen, sei damit in den meisten Fällen Russland gemeint, so Neumann. Der Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler versteht diese Enttäuschung nicht und verweist darauf, dass es bislang „noch keinen Beweis gibt, dass es Russland ist“.

Politische Brisanz eines möglichen Russland-Vorwurfs
Sollten die Drohnenführer nicht identifiziert werden können, etwa durch eine abgefangene Kommunikation, dann „wird es schwer werden, den Vorfall wirklich gerichtsfest auf Russland zurückzuführen“. „Deswegen auch die durchaus sehr verständliche, sehr große Zurückhaltung des Innenministers“, betont Schindler.

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„Wenn der Innenminister Russland sagt, lautet die Frage automatisch: Angriff Deutschland, Angriff NATO, Artikel 4, ja oder nein? Also die politischen Konsequenzen einer Aussage in dieser Richtung durch einen für das Thema verantwortlichen Politiker wären enorm.“

Wenn ein NATO-Mitgliedstaat seine Sicherheit bedroht sieht, kann er nach Artikel 4 eine Beratung im Nordatlantikrat verlangen, was noch kein militärischer Beistand nach Artikel 5 wäre. Der Leipziger Flughafen ist zudem nicht der einzige Fall, der derzeit Fragen aufwirft. Innerhalb weniger Tage häuften sich Vorfälle mit Bezug zu Deutschland, die das Bild einer auffälligen Serie von Zwischenfällen verdichten und auch international aufmerksam verfolgt werden.

Angriffe auf Frachter und deutsche Firmenlager
Im Schwarzen Meer wurde der Frachter „Emil“ einer Hamburger Reederei nach Medienberichten von russischen Drohnen angegriffen. Das Schiff geriet in Brand, die Besatzung musste evakuiert werden. Russland bestätigte Angriffe auf Frachtschiffe in der Region, behauptete jedoch, diese hätten militärische Güter für die Ukraine transportiert.

In der Nacht zum Mittwoch ist ein unbekanntes Flugobjekt in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle gesichtet worden. Es wurde auch Sprengstoff gefunden. Flüge mussten umgeleitet werden.
In der Nacht zum Mittwoch (5. August) ist ein unbekanntes Flugobjekt in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle gesichtet worden. Es wurde auch Sprengstoff gefunden. Flüge mussten umgeleitet werden. © picture alliance/dpa | Tobias Junghanns
Unabhängig überprüfen lässt sich diese Darstellung bislang nicht, Beobachter verweisen aber auf eine deutliche Eskalation der Risiken für zivile Schifffahrt in dem Gebiet. Fast zeitgleich wurden bei russischen Raketenangriffen in der Ukraine Lager deutscher Unternehmen zerstört. Betroffen waren unter anderem Bosch, Liqui Moly und Puma.

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Das zentrale Lager der zur Würth-Gruppe gehörenden Marke Liqui Moly in Kiew brannte vollständig aus. Das Unternehmen stellt unter anderem Motoröle und wichtige Industrieschmiermittel für Maschinen her, sodass der Schaden über den unmittelbaren finanziellen Verlust hinaus auch Auswirkungen auf Lieferketten haben könnte.

Ausspähung deutscher Rüstungsmanager
Hinzu kommen Berichte über mögliche Anschlagspläne gegen deutsche Rüstungsunternehmen. Der Geschäftsführer des Drohnenherstellers Donaustahl soll von mutmaßlichen russischen Agenten ausgespäht worden sein, wie jetzt bekannt wurde. In der öffentlichen Wahrnehmung häufen sich damit die Vorfälle mit mutmaßlich russischer Beteiligung.

Viele Bürger stellen sich die Frage, ob die Bedrohung aus Moskau tatsächlich näher an Deutschland und seine Schlüsselindustrien heranrückt.

„Diese hybride Kriegsführungswelle baut sich eigentlich seit 2014 langsam, aber stetig immer aggressiver auf. 2014 ging es los mit Miss- und Desinformation und Cyberattacken. Dann kamen nach 2022 Sabotageakte dazu, Wegwerfagenten, Störung der Zivilinfrastruktur, aggressive Spionage mit Drohnen“, so Hans-Jakob Schindler.

Der Terrorismus-Experte erinnert außerdem an den Paket-Anschlag auf dem Leipziger Flughafen von 2024, bei dem ein Paket explodierte, bevor es in ein DHL-Flugzeug verladen wurde.

Frühere Anschläge und mögliche Drahtzieher
Wäre die Sendung an Bord gegangen, hätte es zu einem Flugzeugabsturz kommen können. Für diesen Vorfall sei mit hoher Wahrscheinlichkeit Russland verantwortlich, so Schindler. Im Baltikum stünden Personen vor Gericht, „die dafür verantwortlich sein sollen und die offensichtlich Beziehungen zu russischen Nachrichtendiensten haben“.

Populisten, Radikale, Extreme: Das rechte Lager in Europa – von Meloni bis AfD
Alice Weidel (AfD/ESN), Geert Wilders (PVV/PfE) und Giorgia Meloni (FdI, EKR; v.li.) in einer Montage vor dem Plenum des EU-Parlaments in Straßburg.
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Diese Verfahren werden von Sicherheitsbehörden in Europa aufmerksam beobachtet, weil sie Hinweise auf Strukturen und Methoden möglicher Hintermänner liefern könnten. Nicht zu vergessen sei der „vorbereitete Mord-Anschlag auf Rheinmetall“, wie Schindler betont.

2024 hatten westliche Geheimdienste vor einem mutmaßlich von Russland geplanten Anschlag auf Rheinmetall-Chef Armin Papperger gewarnt. Nach Angaben deutscher und US-amerikanischer Behörden soll der Plan vereitelt worden sein, bevor er umgesetzt werden konnte. Der Fall gilt vielen Experten als Wendepunkt in der Einschätzung der persönlichen Gefährdung hochrangiger Manager der Rüstungsindustrie.

Konkrete Drohungen gegen Manager der Rüstungsindustrie
Besonders brisant sind jetzt aktuelle Berichte über mögliche Anschlagspläne gegen einen weiteren deutschen Rüstungsmanager. Nach Recherchen der ZEIT soll der Geschäftsführer des Drohnenherstellers Donaustahl über Monate von mutmaßlichen russischen Agenten ausgespäht worden sein.

Deutsche Sicherheitsbehörden gehen dem Verdacht nach, dass ein Anschlag vorbereitet wurde. Der Manager steht inzwischen unter Personenschutz, was den Ernst der Lage aus Sicht der Ermittler unterstreicht. Mehrere Verdächtige wurden in Deutschland, Spanien und an der serbisch-ungarischen Grenze festgenommen.

Gegen sie wird unter anderem wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit für einen ausländischen Nachrichtendienst ermittelt. Die Ermittlungen sollen auch klären, ob ein koordiniertes Netzwerk hinter den Aktivitäten steht und in welchem Umfang weitere Personen in Europa involviert sein könnten.

Was unter „hybrider Kriegführung“ verstanden wird
Experten sprechen seit Jahren von einem sogenannten hybriden Krieg. Gemeint sind Angriffe unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Konflikts. Dazu zählen Sabotage, Cyberattacken, Spionage, Desinformation oder Angriffe auf kritische Infrastruktur.

Diese Maßnahmen sollen politische Entscheidungen beeinflussen, Gesellschaften verunsichern und die Handlungsfähigkeit von Staaten einschränken, ohne einen formalen Kriegszustand herbeizuführen.

Nach Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle
Der Drohnen-Fund am Leipziger Flughafen hat die Debatte über Abwehrmaßnahmen neu entfacht. © Hendrik Schmidt/dpa
Innenminister Alexander Dobrindt sprach in Leipzig in diesem Zusammenhang auch von einem „Wettrüsten“. Moderne Drohnen würden gezielt so entwickelt, dass sie bestehende Abwehrsysteme umgehen könnten.

Nach Angaben des Flughafenverbands ADV warten mehrere große deutsche Flughäfen weiterhin auf angekündigte Systeme zur Drohnenerkennung und -abwehr. Sicherheitsexperten wie Hans-Jakob Schindler warnen deshalb seit Längerem, dass sich der Krieg längst nicht mehr nur auf die Front in der Ukraine beschränkt.

Grenzverlauf zwischen Spionage und Angriff
Wo genau die Grenze zwischen klassischer Spionage, Sabotage und einem hybriden Angriff verläuft, dürfte in den kommenden Wochen auch Thema der politischen Debatte sein. Politiker und Behörden müssen klären, ab wann eine Reihe von Vorfällen als koordinierte feindliche Operation einzustufen ist.

Diese Einordnung hat direkte Auswirkungen darauf, wie entschlossen Deutschland und seine Partner in NATO und EU reagieren und welche Schutzmaßnahmen künftig Priorität erhalten.

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