Welche Lehren lassen sich aus dem viral gegangenen Nicht-Gespräch zwischen Dunja Hayali und Alice Weidel im ZDF-„heute journal“ ziehen? Journalistin Melanie Amann sieht ihren Berufsstand in einem Dilemma, wie sie im Podcast von Bettina Böttinger darlegte.
Das Streitgespräch zwischen Dunja Hayali und AfD-Chefin Alice Weidel im „heute journal“ sorgt weiterhin für Aufregung – aber auch für Nachdenklichkeit in Journalisten-Kreisen. „Ich habe dieses Interview gesehen, das unsere Kollegin Dunja Hayali mit Alice Weidel im ZDF geführt hat, und ich finde, da ist jetzt nichts, wo ich sagen würde, das hat sie falsch gemacht“, urteilte Funke-Chefredakteurin Melanie Amman nun im Podcast „Zwischen den Zeilen“ von Bettina Böttinger. Zugleich habe das Gespräch in ihren Augen „etwas Sinnlos“ gehabt.
Melanie Amann – Melanie Amann findet, der politische Journalismus habe sich “in ein Dilemma manövriert”.
Melanie Amann – Melanie Amann findet, der politische Journalismus habe sich „in ein Dilemma manövriert“. © 2025 Getty Images/Gerald Matzka
Sie könne sich „genau vorstellen“, was jene Menschen gedacht hätten, die AfD-Anhänger sind oder zumindest offen für die Partei, sagte Amann: „Da wird eine Politikerin, wie soll man sagen, nicht interviewt, sondern angegriffen.“
„Wir haben uns in ein Dilemma manövriert als Journalisten“
Weidel war Anfang Juli live vom AfD-Parteitag in Erfurt ins ZDF-Nachrichtenjournal zugeschaltet und mit einer Reihe an kritischen Fragen konfrontiert worden. Inhaltlich ging die Parteichefin auf die von Hayali vorgetragenen Punkte jedoch kaum ein und verwahrte sich stattdessen gegen „dieses Framing, dass die AfD oder Teile der Alternative für Deutschland Rechtsextremisten sind“. Das Echo in klassischen und sozialen Medien war enorm.
Amann wertet das kontrovers aufgenommene Interview als Beleg dafür, dass wir uns „in ein Dilemma manövriert haben als Journalisten“. „Wir sehen unseren Auftrag darin, den Leuten zu zeigen: ‘Schaut mal her, das ist ein Rechtsextremist’“, sagte sie. „Wir sind aber in einem Zeitalter, wo das den Leuten vielleicht einmal zu oft gesagt wurde und sie sagen: ‘Wir haben es gehört, und es ist uns egal.’“
