Es sind Sätze, die wie Peitschenhiebe wirken. In einer hochemotionalen Debatte über den politischen Islam und die gewaltbereiten Strömungen innerhalb der Religion lässt Alice Schwarzer keine Zweifel offen:
Wir steuern auf einen „islamistischen Winter“ zu. Während der Westen noch naiv von demokratischen Frühlingen träumt, übernehmen radikale Kräfte die Macht. Von Todesstrafen für Aussteiger bis hin zur „einzigen echten Lösung“ – dieser Schlagabtausch legt die brutale Realität offen, die viele lieber verschweigen würden. Erfahren Sie, warum ein „kölscher Jung“ zum radikalen Muslim wurde und warum Schwarzer den Dialog mit Fanatikern für völlig zwecklos hält.
Alice Schwarzer – Zu ihrer Beruhigung
Die Anatomie der Radikalisierung: Vom „kölschen Jung“ zum Todeskandidaten
Einer der bewegendsten Momente der Diskussion ist die Lebensgeschichte eines Mannes, der in Deutschland als Sohn christlicher, aber unreligiöser Eltern geboren wurde. Ein klassischer „kölscher Jung“, der auf der Suche nach Spiritualität den Weg in die Moschee fand. Doch was als Suche nach innerem Frieden begann, endete in einer gefährlichen Sackgasse.
„Am Anfang kannte ich nur die fünf Säulen – Beten, Fasten, Pilgerfahrt“, berichtet er. Doch in den Hinterhofmoscheen wurde der Glaube schnell mit einer politisch-ideologischen Komponente vermischt. Der Imam führte ihn an Aussprüche des Propheten heran, die eine klare Sprache sprechen: „Ich wurde geschickt, um die Menschheit zu bekämpfen, so lange bis sie das Glaubensbekenntnis sprechen.“
Hier wurde Gewalt nicht nur geduldet, sondern religiös legitimiert. Heute steht dieser Mann nach islamischem Recht unter der Todesstrafe, weil er es wagte, festzustellen, dass dieser Weg falsch ist. Ein System, das den Ausstieg mit dem Tod bestraft – für Alice Schwarzer ein untragbarer Zustand inmitten unserer Gesellschaft.
Alice Schwarzer: „Ich beschäftige mich nicht mit dem Islam!“
Mit der ihr eigenen Schärfe stellt Alice Schwarzer sofort eines klar: Sie differenziert strikt. „Ich beschäftige mich überhaupt nicht mit dem Islam als Religion, sondern ausschließlich mit dem politisierten Islam, also den Islamisten“, betont sie. Für sie ist der Glaube oft nur ein Deckmantel für machtpolitische Strategien.
Besonders hart geht sie mit dem Westen ins Gericht. Sie kritisiert die Naivität der Politik, die „Tyrannen“ erst bei Hofe empfängt und dann hilft, sie zu vertreiben, nur um zuzusehen, wie Radikale das Vakuum füllen. „Das war vorauszusehen. Das war völlig klar“, schimpft sie. Während der Westen sich über blasphemische Filme streitet, die Schwarzer als „üble, eklige Machwerke“ bezeichnet, nutzen die Islamisten diese Filme lediglich als Vorwand, um ihre Macht zu festigen. Es geht nicht um Religion, es geht um die totale Kontrolle.
Der „islamistische Winter“: Die verblendete Hoffnung des Westens
Der Begriff des „Arabischen Frühlings“ wird in dieser Debatte endgültig beerdigt. Was bleibt, ist die Angst vor einem „islamistischen Winter“. Der Innenminister warnt davor, Grundwerte wie die Meinungsfreiheit der Religionsfreiheit unterzuordnen, nur um Extremisten nicht zu provozieren. Doch Schwarzer sieht das Problem tiefer: Die ersten Opfer dieser Fanatiker sind die Muslime selbst in ihren Herkunftsländern.
Die Gewalt sei „systemimmanent“, wenn man den radikalen Auslegungen der vier Rechtsschulen folgt, die den Konsens bilden, dass Beleidigungen des Propheten mit dem Tod zu sühnen sind. Schwarzer sieht eine psychologische Kluft zwischen dem säkularen Westen und dem zutiefst religiösen Orient, die heute größer ist als zur Zeit der Kreuzzüge. Damals verstand man sich zumindest in der Radikalität – heute prallen Welten aufeinander, die keine gemeinsame Sprache mehr finden.
Fazit: Wegsehen ist keine Option mehr
Dieser Abend hat gezeigt, dass die Zeit der diplomatischen Beschönigungen vorbei sein muss. Wenn ein in Deutschland geborener Mann um sein Leben fürchten muss, weil er eine Ideologie verlässt, dann ist das kein Problem ferner Länder, sondern ein Problem mitten unter uns. Alice Schwarzer erinnert uns daran, dass Toleranz gegenüber der Intoleranz Selbstmord bedeutet. Wir dürfen den Extremisten nicht „auf den Leim gehen“, wie es der Innenminister formulierte.
Der „islamistische Winter“ ist bereits da – die Frage ist nur, ob wir genug Rückgrat haben, unsere Werte gegen ein „blasphemisches Machwerk“ der Gewalt zu verteidigen.
